Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 26.6.2018:

Bebauungsplan „Neues Fußballstadion am Flugplatz“ liegt zur Entscheidung vor Umfangreichster Bebauungsplan der jüngsten Stadtgeschichte nach dreijähriger Bearbeitungszeit

Sämtliche Fachthemen in akribischer Tiefe und gründlicher Sorgfalt abgearbeitet – Über 200 Einwendungen bearbeitet

Sicherer Flugbetrieb mit geringen zeitlichen Einschränkungen – Segelflugbetrieb voraussichtlich weiterhin möglich

Nach Abwägung aller Stellungnahmen und Gutachten: Ursprünglicher Standort westlich der Startbahn hat sich als stabil erwiesen – Spiegelvariante weniger geeignet BM Haag: „Wir sind sicher, dass dieser Bebauungsplan zu allen Fragen qualifizierte Lösungen gefunden hat, damit er auch Rechtskraft erlangen kann.“

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause am 24. Juli soll der Gemeinderat über den Bebauungsplan „Neues Fußballstadion am Flugplatz“ entscheiden, der mit seinen 1700 Seiten nur in zwei dicken Aktenordnern Platz findet. Das Planwerk ist damit nicht von der Fläche her aber vom Umfang der Untersuchungen, Festsetzungen und Anlagen her der größte Bebauungsplan der jüngsten Stadtgeschichte. Und er hat eine dementsprechend lange Vorgeschichte: Nach einer erfolgreichen Standortsuche zwischen 2011 und 2014 hat der Gemeinderat im November 2014 mit großer Mehrheit dem Grundsatzbeschluss für das neue Stadion am Wolfsbuck zugestimmt. Und er hat gleichzeitig einen Bürgerentscheid beschlossen, um das Großprojekt durch die Bürgerschaft direkt zu legimitieren. Auch das ein Novum der Stadtgeschichte. Mit Entscheidung der Bürgerschaft am 1. Februar 2015 für ein neues Stadion gab es ein endgültiges Votum für das Stadion.

An dem Bebauungsplan arbeitet die Verwaltung nach dem Aufstellungsbeschluss 2013, der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und dem Bürgerentscheid 2015 als eigentlichem Startschuss nun seit insgesamt drei Jahren. Notwendig waren dazu rund 44 fachliche Gutachten, um sämtliche relevanten Themen wie Umwelt, Natur, Verkehr, Lärm, Klima und Flugsicherheit in größtmöglicher Tiefe zu untersuchen.

Alle Ergebnisse der Fachgutachten und der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden sind in den Bebauungsplan eingeflossen und berücksichtigt. Ebenso hat die Offenlage mit der förmlichen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden im Sommer 2017 zu weiteren Fragestellungen geführt, denen die Verwaltung akribisch nachgegangen ist. Von Bürgerinnen und Bürgern direkt sind insgesamt 172 Stellungnahmen eingegangen, fünf von Vereinen oder Bürgerinitiativen. Weiterhin haben sich 39 Behörden/ Träger öffentlicher Belange und fünf Nachbargemeinden am Verfahren beteiligt. Für sämtliche Fragestellungen hat die Verwaltung qualifizierte Lösungen gefunden und sie in den Bebauungsplan eingearbeitet. In dem Bebauungsplan enthalten sind auch elf Gebiete für planexterne Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche von zirka 70 Hektar. Diese sind notwendig, um Eingriffe in Natur und Landschaft zu kompensieren.

Die Ergebnisse in Bezug auf den Flugplatz Freiburg sind nahezu rundum positiv. Alle Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass sogenannte „Luftverwirbelungen“ keine negativen Auswirkungen auf den Flugbetrieb haben werden. Die sehr strengen Risikomaßstäbe erfordern zwar an Spieltagen eine stundenweise Sperrung des Flugbetriebs – der zeitliche Gesamtumfang der Sperrungen liegt jedoch, bezogen auf das Gesamtjahr, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auch für die Segelflieger gibt es eine positive Aussicht, dass sie – entgegen aller geäußerten Bedenken – bleiben können.

Die Ergebnisse aller eingebrachten Einwendungen liegen jetzt vor. Ein Schwerpunkt der Untersuchungen der letzten Monate war die von der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz e.V.“ eingebrachte „Spiegellösung“. Dieser alternative Stadion- Standort östlich der Landebahn mit Verlagerung der Flugplatzinfrastruktur auf die Westseite konnte qualifiziert geprüft werden, nachdem ihn die Verwaltung planerisch konkretisiert und sogar eine zusätzliche optimierte Planungsvariante erarbeitet hatte. Die mehrmonatigen Untersuchungen durch die Verwaltung, unterstützt durch externe Fachgutachter, haben folgendes ergeben:

Die Planungsziele einer funktionsfähigen Erschließung und ein sicherer Stadionbetrieb werden dort nicht erreicht. In der Gesamtschau überwiegen die Nachteile der Spiegelvariante und sie ist insofern deutlich weniger geeignet als die Bebauungsplanvariante. Für die politische Bewertung ist darüber hinaus maßgeblich, dass die Spiegellösung zu einer erheblichen Projektverzögerung und massiven Zusatzkosten führen würde.

In der umfangreichen Alternativprüfung der sogenannten Spiegellösung konnten unter anderem folgende Vorteile gegenüber der Bebauungsplanvariante identifiziert werden:
1. der Eingriff in den Wolfsbuck entfiele,
2. die Lärmbelastung für das Wohngebiet Mooswald durch Sportlärm wäre geringer,
3. der Magerrasen weniger belastet,
4. die zusätzliche Haltestelle südlich des Stadions entfiele.

Folgende Gründe fallen für die Spiegellösung jedoch nachteilig ins Gewicht:

– Die Spiegellösung bietet nicht ausreichend Platz für einen Stadionstandort, denn der mögliche Bebauungsraum ist zirka 3 ha kleiner als in der Variante des Bebauungsplans. Die vorgelegten Skizzen der Spiegellösung täuschen: Die Spielfeldgröße ist deutlich zu klein eingetragen (nur 85 % der tatsächlich benötigten Fläche) und auch in der optimierten Fassung ist der zur Verfügung stehende Raum wesentlich kleiner als in der Bebauungsplanvariante.

– Eine Entzerrung der Besucher auf dem Weg von der Stadtbahnhaltestelle zum Stadion ist dadurch nicht möglich. Für die zirka 10 000 Menschen, die vor und nach Spielbeginn zum Stadion strömen, ist dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko. In der Bebauungsplanvariante ist dieser Korridor rund 800 Meter lang, in den beiden Varianten der Spiegellösung lediglich 220, bzw 150 Meter. Auch der Einsatz von Rettungs- und Ordnungskräften wär durch die räumliche Enge in nicht verantwortbarer Weise beeinträchtigt.

– Das Stadion rückt bei der Spiegellösung näher an die Start- und Landebahn, bzw. an die Grasbahn des Segelflugs. Dadurch ist ein Stadionkörper in ausreichender Höhe an dieser Stelle nahezu unmöglich. Die Spiegelvariante ließe im besten Fall nur eine Höhe von knapp 20 Metern zu, sechs Meter weniger als die Bebauungsplanvariante. Dadurch ergäben sich deutliche funktionale Probleme (Belichtung, Belüftung, Entfluchtung, Wegeführung, Andienung).

– Die verkehrliche Erschließung schneidet in der Spiegelvariante deutlich schlechter ab. Die Erschließungsstraße,die zur Granadaallee hinführen würde, läge östlich Startund Landebahn. Das Staurisiko am Knoten Granadaallee/Herrmann-Mitsch-Straße steigt dadurch deutlich an. Die Bebauungsplanvariante erlaubt hingegen eine nahezu optimale Verteilung der Verkehrsströme in alle Richtungen. Die hier vorgesehene „Planstraße Ost“ zwischen Granada- und Madisonaallee kann auch im Alltagsbetrieb täglich 10 000 Fahrzeuge zur Entlastung der Hermann-Mitsch-Straße aufnehmen. Dies entlastet somit auch erheblich den Verkehr bei Zusammentreffen von Messe- und Stadionbetrieb. Diese Vorzüge entfallen bei
der Spiegelvariante.

– Ein wichtiges Planungsziel kann mit der Spiegelvariante nicht erreicht werden, da SC-Trainingsplätze auf der Fläche nicht realisiert werden könnten. Der Spiegel-Standort wäre also kein Trainingsstandort für die erste und zweite Mannschaft, so wie es Ziel der Planung ist.

– Die zeitnahe Flächenverfügbarkeit ist bei der Spiegelvariante nicht gesichert. Zwar haben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz Freiburg e.V.“ ihre Mitwirkungsbereitschaft zugesichert, jedoch gibt es auch langfristige Pächter auf dem Flugplatzareal, die sich zur Verfügbarkeit ihrer Fläche noch nicht geäußert haben.

– Durch die Verschiebung der gesamten Flugplatzinfrastruktur (Hallen, Tower, Tankstelle etc.) in Richtung Stadtteil Mooswald und Universitätsbebauung in der Spiegelvariante ist dort ganzjährig mit einer spürbaren Lärmmehrbelastung zu rechnen. Diese geht insbesondere auch auf den intensiven Hubschrauberbetrieb z.B. von Rettungs- und Einsatzhubschraubern, auch in der Nacht, zurück.

– Darüber hinaus konnten mehrere angeführte Vorteile der Spiegellösung einer vertiefenden Prüfung nicht standhalten: Der einzige nachweisbar positive Effekt ist eine eventuell mögliche Reduzierung der Sperrzeit des Flugplatzes nach Spielschluss um ca. 30 min. Grundsätzlich ist jedoch auch bei der Spiegellösung eine mehrstündige Sperrung für den Flugverkehr an Spieltagen notwendig und bietet insofern auch keinen nennenswerten Vorteil.

– Auch im Themenfeld Umwelt relativieren sich nach genauerer Prüfung die in der Argumentation vorgebrachten Vorteile: Zwar könnten unter Umständen bis zu 3,9 ha Magerrasen geschont werden, doch sind auch hier die Eingriffe in den Lebensraum der Dohlen erheblich.

– Aufgrund des Flächenbedarfs für ein Parkhaus südlich des Möbelhauses XXX Lutz an der Hermann-Mitsch-Straße wäre der zur Realisierung eines Wohnungsbauprojekts notwendige Grundstückstausch nicht mehr möglich.

All dies sind für die Verwaltung gewichtige Gründe, an der vorgelegten Bebauungsplanvariante festzuhalten.

Baubürgermeister Martin Haag fasst das Ergebnis aller Untersuchungen und Einwendungen wie folgt zusammen: „Wir haben diesen Bebauungsplan mit höchster Akribie, Sorgfalt und Tiefe erarbeitet. Der von Anfang an verfolgte Standort hat sich in den Untersuchungen sämtlicher relevanter Felder als stabil und geeigneter als die Spiegellösung erwiesen. Wir müssten mit der Spiegelvariante bei null anfangen und könnten auf Jahre hin nicht von einer Realisierung ausgehen.“

Und Sportbürgermeister Stefan Breiter ergänzt: „Wir sind im Zeitplan und halten gemeinsam mit dem SC Freiburg an dem Ziel fest, bis 2020 das neue SC-Stadion fertig zu stellen.“

SC-Vorstand Oliver Leki: „Der Bebauungsplan ist ein weiterer wichtiger Schritt für die erfolgreiche Realisierung des Stadionprojekts. Damit liegen wir weiter im Zeitplan, was für den Sport-Club von ganz großer Bedeutung ist. Die so genannte Spiegelvariante hätte erheblichen Zeitverzug und Mehrkosten bedeutet und wäre dennoch nie zu einer tragfähigen Alternative geworden.“

Am Mittwoch, den 25. Juli 2018 findet die inzwischen 5. Sitzung des Begleitforums zum Neubau des SC Stadions statt, um die im Verfahren gefundenen Lösungen zu erläutern und zu diskutieren. Das Begleitforum wurde vor drei Jahren nach dem Bürgerentscheid vom Gemeinderat, auf Vorschlag der Verwaltung, als Teil des Dialog- und Kommunikationskonzepts für die weiteren Planungsschritte beschlossen. In dem Begleitforum werden Bürgervereine und Bürgerinitiativen pro und contra Stadion, Vertretungen der Jugend, Senioren, Menschen mit Behinderung, Umweltverbände, Wirtschaft, Universität und Forschungsinstitute sowie des Sport-Club und seiner Fangruppierungen ca. halbjährlich über den Stand der Stadionplanung informiert.

Parallel zum Begleitforum fanden in der Planungsphase nach dem Bürgerentscheid für einzelne Zielgruppen wie Flugsportvereine und –betriebe, die Möbelhäuser entlang der Hermann-Mitsch-Straße oder Mooswald-Bewohner eigene Gespräche zu den jeweils direkt berührenden Fragestellungen statt. Damit wurde neben den gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren ein Austausch ermöglicht um größtmögliche Transparenz zum Projekt zu schaffen und in einem konstruktiven Dialog mit allen zu bleiben, die direkt oder mittelbar als Anlieger, Gewerbetreibende oder Nutzer des Flugplatzes vom künftigen Stadion betroffen sind.

Auch für die nun anstehende Bauphase wird es wieder ein Beteiligungs- und Kommunikationsangebot geben, um alle in dieser Phase aufkommenden Herausforderungen, wie den Umgang mit Verkehr und Stadionbesuchern im Stadtteil Mooswald an Spieltagen, im Sinne einer guten Nachbarschaft zu meistern. Ein Konzept hierzu wird zurzeit unter Federführung der Stabsstelle Bürgerbeteiligung im Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung (APS) erarbeitet und anschließend mit den Beteiligten abgestimmt.

Der vollständige Bauantrag liegt seit dem 10. April 2018 vor. Auf dieser Grundlage wurden die notwendigen Anhörungen und Beteiligungen durchgeführt (Fachbehörden, Angrenzer etc.). Das Regierungspräsidium ist für die Erteilung der Baugenehmigung und für die in diesem Rahmen eingegangenen Einwendungen zuständig, da Antragstellerin die Stadion Freiburg Objetkträgergesellschaft(SFG) als städtische Tochter ist. Derzeit werden die Einwendungen und Stellungnahmen bearbeitet. Schwerpunkt der laufenden Prüfungen der Bauantragsunterlagen sind die Bereiche Lärmschutz, Sicherheit (v. a. Brandschutz und Einhaltung der Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung) und Barrierefreiheit. Es wird angestrebt, die Unterlagen Anfang August 2018 dem Regierungspräsidium vorlegen zu können, das von Anfang an in die Bearbeitung des Antrags eingebunden wurde. Anfang Oktober wird die Baugenehmigung erwartet.

Zeitgleich mit dem Satzungsbeschluss des Bebauungsplans bringt das Bürgermeisteramt auch eine Drucksache zur Fortschreibung der Gesamtkostenkalkulation für die Infrastruktur des Umfelds des Stadions in den Gemeinderat ein. Es wird nachgewiesen, dass das Projekt unter Berücksichtigung der seit 2014 aufgelaufenen Baukostensteigerungen auch in finanzieller Hinsicht im Plan liegt. Die Verwaltung hat dieses erreicht, obwohl teilweise erhebliche und nicht vorhersehbare Herausforderungen aufgetreten sind (z.B. umfangreichere Gutachten).

Der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates von 2014 fußte auf einer sogenannten Investitionskostenprognose. Diese Prognose sowohl für das Stadion als auch für die städtische Infrastruktur für das Umfeld des Stadions wurde in einem frühen Projekt- und Kenntnisstand angefertigt und umfasste neben der technischen und verkehrlichen Infrastruktur die Kosten für die Fachgutachten und für benötigte Ausgleichsflächen. Für dieses Paket waren Ausgaben in Höhe von 47 Millionen Euro vorgesehen, zudem stimmte der Gemeinderat gleichzeitig einem Kostenpuffer von 10 Prozent zu (insgesamt 51,7 Mio. Euro). Darüber hinaus ist es üblich, indexierte Baukostensteigerungen mit ein zu beziehen (in dem vorliegenden Fall wird von 4% pro Jahr ausgegangen, das ergibt dann ein Projektbudget von 60,5 Mio. Euro Stand 2018).

Die aktuelle Kostenschätzung geht jetzt von Kosten für die Infrastruktur des Stadionumfelds in Höhe von 55,2 Millionen aus (Erschließung 36,8 Mio. Euro, P+R 1,2 Mio. Euro, Bauleitplanung, Gutachten 2,4 Mio. Euro, Ausgleichsflächen 10,7 Millionen Euro und sonstiges 4,0 Mio. Euro) und bleibt damit nach derzeitiger, fortgeschriebener Schätzung noch unter dem Kostenrahmen. Die Investitionsbaukosten der Stadion Freiburg Objektträger GmbH & Co. KG bleiben nach der Entscheidung für Köster GmbH/HPP Architekten gegenüber Sommer 2017 unverändert bei 76,5 Mio. Euro Nettobaukosten.

Vorarbeiten für Kanalbau starten am 9. Juli

Am Montag, den 9.Juli beginnen Oberbodenarbeiten entlang der Trasse des Schmutzwasserkanals im Bereich der Straße Im Wolfswinkel. Dort wird der Schmutzwasserkanal verlegt, der später an das Stadion und an das Viertel der Universität angeschlossen werden soll. Die Baustellenandienung erfolgt über die vorhandene Baustraße im Baugebiet und die Madisonallee. Eine Befahrung der Straße Im Wolfswinkel ist nicht vorgesehen. Erst Ende des Jahres wird der Schmutzwasserkanal im Bereich des Parkplatzes hergestellt. Der dann noch fehlende Abschnitt in der Straße Im Wolfswinkel mit der Querung der Bahngleise wird durch die DB im Zuge der Gleissanierung 2019 hergestellt.

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